Adventsstimmung fast ohne Weihnachtsmusik

 

Kritik der Rheinpfalz vom 04.12.2017

Adventsstimmung fast ohne Weihnachtsmusik
Bravorufe und Applaus im Stehen bei Wachenheimer Serenade mit dem Blechbläserensemble Brass Surround

Von Uwe Engel

Die Zuhörer waren sich einig: Das letzte Saisonkonzert der Wachenheimer Serenade, traditionsgemäß am Vorabend zum ersten Advent in der Protestantischen Kirche in Wachenheim, war eine wunderbare Einstimmung auf die Advents- und Weihnachtszeit.

Und das, obwohl das Blechbläserensemble Brass Surround keine spezifische Weihnachtsmusik auf dem Programm hatte. Aber allein schon der strahlende Klang von Blechbläsern ist dazu geeignet, so die rechten weihnachtlichen Gefühle hervorzurufen, zumal wenn die Instrumente so gut gespielt werden wie vom Blechbläserensemble der Musikhochschule Karlsruhe.Gegründet wurde Brass Surround von Dirk Hirthe, Professor für Tuba an der Karlsruher Musikhochschule und Solotubist beim Badischen Staatstheater. Das Ensemble besteht aus zehn Studenten der Bläserklassen der Musikhochschule. Die Musiker wechseln also von Zeit zu Zeit, die Besetzung als Tentett bleibt die gleiche.
So spielte Brass surround auch in Wachenheim mit vier Trompeten (Mark Márton, Martin Dajka, Andrea Mirado, Daniel Szábo), einem Horn (Rafael Oliveros), vier Posaunen (Lukas Steup, Vincent Warratz, Paul Henzler, Rafael Steinbruck) und einer Tuba (Philipp Schneider). Dirk Hirthe hatte kurzfristig abgesagt, aber die Musiker kamen auch ohne ihren Dirigenten bestens zurecht. Ein Beweis für die Qualität der jungen Instrumentalisten.

Sie lieferten höchst präzise Einsätze und sie spielten allesamt intonationsrein mit vollem und sonorem, niemals unangenehm schmetterndem Ton. Die anspruchsvollen, nicht selten schwierigen Parts wurden problemlos gemeistert. Fast jeder durfte auch einmal seine virtuosen solistischen Qualitäten demonstrieren.

Es gibt kaum einen Komponisten, der so sehr mit festlichem Blechbläserklang in Verbindung gebracht wird wie Georg Friedrich Händel. Denn die (reife) Musik des Hallensers ist ganz vom spezifischen feierlich hymnischen Tonfall der englischen Musik durchdrungen. Und so eignet sich seine Feuerwerksmusik auch bestens als Einstieg in ein adventliches Konzert. Brass Surround verbreitete dabei den ganzen Strahlglanz des Barock, schön besinnlich erklang der langsame Satz „La Paix“. Ebenfalls von Händel stammte ein Concerto grosso, das die Musiker brillant absolvierten.

Warum Johann Sebastian Bach bei den meisten Jazzern so beliebt ist, wurde hier bei seinen Brandenburgischen Konzerten Nr. 2 (F-Dur) und 3 (G-Dur) im Arrangement von Christopher Mowrat deutlich. Da swingte es nämlich geradezu, der Rhythmus kam richtig treibend und die Ausdruckskraft der bestürzend weitgetriebenen modernen Harmonik kam hier im vollen Bläsersatz fast noch besser zur Geltung als im Original mit den Solistenstimmen und den dahinter zurücktretenden Begleitstimmen beim zweiten und dem reinen Streicherklang beim dritten Konzert. Kein Wunder, dass es Bravorufe gab.

Nach der Pause der „moderne“ Teil. Gioacchino Rossinis Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“ wurde lustvoll und fröhlich zelebriert. Wunderbar auch drei Sätze aus Felix Mendelssohns „Sommernachtstraum“. Mit dem herrlich locker tänzerisch daherkommenden Scherzo (nicht der Ouvertüre, wie im Programm gedruckt) strafte das Ensemble das Vorurteil vom wuchtig- schwerfälligen Blechbläserklang Lügen, so richtig romantische Gefühle evozierte das Notturno, und der populäre Hochzeitsmarsch wurde als übermütiges Schmankerl präsentiert.

Den Abschluss bildete die einzige Originalkomposition des Abends, die „Brass Symphony“ op. 80 von Jan Koetsier, einem Niederländer, der nach dem Zweiten Weltkrieg in München wirkte. Seine Brass Symphony ist Unterhaltungsmusik im besten Sinne des Wortes: durchaus modern gewürzt mit kräftigen Jazzanklängen, spieltechnisch und kompositorisch anspruchsvoll. Mitreißend wurde sie von Brass Surround dargeboten.