Kritik der Rheinpfalz zum Konzert von "german hornsound"

Lustvolle Lieblingsstücke

„German Hornsound“ verzaubert bei Wachenheimer Serenade

Von Hildegard Janssen-Müller

german hornsound

Außergewöhnliche Darbietungen bekannter Kompositionen haben am Samstagabend die Besucher im Palais Schloss Wachenheim begeistert. Dort gestaltete das Quartett „Hornsound“ mit seinem Programm „#hornlikes“ das zweite Konzert der diesjährigen Wachenheimer Serenade. Es war ein Wunschkonzert mit Lieblingsstücken der Hornisten, auch das Publikum durfte drei Stücke aussuchen.

Zehn Jahre ist es her, dass vier ehemalige Studenten der Hornklasse von Christian Lampert an der Musikhochschule Stuttgart sich zum Hornquartett „German Hornsound“ zusammentaten. Inzwischen sind Christoph Eß, Sebastian Schorr, Stephan Schottstädt und Timo Steininger auch international bekannt. Das liegt nicht allein an der hochkarätigen spielerischen Qualität der Ausführenden, sondern auch an der Umgestaltung von orchestralen Werken auf die ungewöhnliche Besetzung mit vier Hörnern. So wirkt das Gehörte von der Melodie her zwar vertraut, gleichzeitig aber auch wieder so fremd, dass das Zuhören nicht einfach nur ein Konsumieren schöner Klänge ist und Kompositionen ganz anders wahrgenommen werden.

Etwa der Basso continuo im Allegro von Johann Sebastian Bachs Brandenburgischem Konzert Nr. 2 F-Dur, den üblicherweise das Cembalo übernimmt. Mit dem Horn akzentuiert, gewinnt er an Faszination, und auch der Tenor des komplizierten Stücks, das Bach für Trompete geschrieben hat, ändert sich. Das Publikum ist von diesem Lieblingsstück von Eß so begeistert, dass der Beifall schon aufbrandet, bevor die letzten Töne verklungen sind. Im Vivo aus Georg Friedrich Händels „Wassermusik“, einem Lieblingswerk Schorrs, sind die unterschiedlich hohen Fontänen der Wasserspiele förmlich herauszuhören. Bei „Stabat mater dolorosa“ von Giovanni Pergolesi werden die Akkorde durch das Arrangement teils bewusst so unangenehm, dass sie beinahe körperliches Unbehagen verursachen. Deutlicher lässt sich Schmerz kaum darstellen. Eine besondere Spannung erzeugen die Vibrationen der Instrumente auch in einem der Lieblingstitel Schottstädts, dem Largo aus Antonin Dvoraks Symphonie „Aus der neuen Welt“. Der Satz, der sich an alte indianische Musik anlehnt, gewinnt durch den Klang der Hörner an Emotionalität und vor allem Erdverbundenheit.

Dass die Hörner des Quartetts auch wie Waldhörner klingen können, zeigen Kompositionen wie das Nocturno aus Felix Mendelssohns „Sommernachtstraum“. Steininger hat das Stück ausgewählt, und als Basso continuo trägt er viel dazu bei, dass es sich rund um den verträumten Mittelteil mit seinen schnellen Tonfolgen wie eine Hetzjagd gestaltet, wild und fast schon aggressiv. Als Solohornist begeistert er gleich darauf mit dem zu Herzen gehenden „Offertorio“ aus Guiseppe Verdis „Requiem“.

Den Schluss der Lieblingstitel bildet Astor Piazollas „Meditango“. Auch da setzt die außergewöhnliche Besetzung auf Rhythmen und emotionale Betonungen zwischen schrillen Klängen und zärtlichem Drängen neue Akzente. Das Publikum schließlich wünscht sich Vertrautes: den Chor der Landsleute aus Carl Maria von Webers „Freischütz“, das Andante aus Franz Schuberts „Die Unvollendete“ und den Abendsegen aus Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“.

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