Kritik der Rheinpfalz zum Konzert am 3. November 2018

Quartett Flautando begeistert und verblüfft bei Wachenheimer Serenade im Palais Schloss Wachenheim das Publikum

Von Uwe Engel

Was man aus einem kunstgerecht bearbeiteten Stück Holz alles an großartiger Musik herausholen kann, demonstrierte das Blockflötenquartett Flautando bei seinem Auftritt bei der Wachenheimer Serenade den begeisterten und auch ein wenig verblüfften Zuhörern. Das Palais Schloss Wachenheim erwies sich nicht nur vom Ambiente, sondern auch akustisch als ideales Forum für das so feingliedrige wie blutvolle Spiel der vier Damen aus Köln mit ihrem weitgespannten Programm.
Die Blockflöte ist ein hochkomplexes, kunstvolles Instrument. Zu den weltweit führenden Ensembles gehört das 1990 an der Kölner Musikhochschule gegründete Quartett Flautando mit den wunderbaren Musikerinnen Katharina Hess, Susanne Hochscheidt, Kerstin de Witt und Ursula Thelen.
Seit nunmehr fast 30 Jahren sind die vier auf den Konzertpodien der ganzen Welt und großen Festivals aktiv, aber sie entfalten immer noch viel Jugendlichkeit, musikalische Neugier und Lebendigkeit. Trockene Routine ist nirgends zu spüren, dafür große Lust an dem, was sie tun. Technisch und im Zusammenspiel absolut perfekt sind die vier Musikerinnen sowieso.
40 Flöten hatten sie mitgebracht, Nachbauten des barocken und des Renaissance-Typs, vom winzigen Sopranino bis zum übermannshohen Subbass, der so manches „Ooh“ des Publikums hervorrief. Dazu ein moderner Blockflötentyp, der wie eine Filmkamera aussieht und die in neueren Arrangements und Kompositionen erforderliche Flexibilität in tiefen Lagen ermöglichte.
„Kaleidoskop“ war das Konzert überschrieben. Das bezog sich auf das aus einer Röhre bestehende Kinderspielzeug, das innen mit Spiegeln versehen und mit kleinen, bunten Steinchen gefüllt ist und ständig wechselnde, farbige Bilder erzeugt. So bunt und vielfältig sollte es auch im Programm zugehen, ein Versprechen, das das Quartett zur Gänze einlöste.
Zu Beginn drei englische Volkstänze, im 17. Jahrhundert von John Playfordem arrangiert. Da war höchste Geläufigkeit zu vernehmen, ein lustvolles Flimmern und Tirilieren. Fast schon impressionistisch mutete das Spiel von Flautando in seinem Nuancen- und Farbenreichtum hier an.
Im Psalm „Sivut cervus desiderat“ des als Retters der katholischen Kirchenmusik apostrophierten Giovanni Pierluigi di Palestrina ließen die vier die artifizielle Polyphonie der Renaissance-Musik in warmen sonoren Klängen strömen. Es folgte „Youkali“ des weniger katholischen Kurt Weill, wobei der weniger nach Politsong als nach Broadway klingende Tango eine weitere Spezialität des Ensembles Flautando demonstrierte: Ursula Thelen trat als schön und flexibel singende Sopranistin auf.
Dazwischen die geheimnisvoll faszinierende „Gnossiene Nr. 1“ des köstlich querköpfigen Erik Satie. Ihre ganze Virtuosität zeigte das Ensemble in einer Sonate von Telemann und einem italienischen Saltarello aus der Zeit der Gotik. Tadellos präsentierten sie die scheinbar einfachen, real aber komplexen melodischen und rhythmischen Muster der Minimal Music in Fulvio Caldinis „Clockwork Toccata“.
Seiner großen Liebe zur internationalen Folklore frönte das Ensemble mit vier idiomatisch auf den Punkt gespielten und gesungen türkischen Volksliedern und drei den Geist der grünen Insel treffend evozierenden Liedern aus Irland.
Enthusiastischer Applaus und als Zugabe eine am Csardas von Monti aufgehängte musikalische Kabarettnummer sowie das klangvolle Renaissance-Madrigal „Doulce memoire“ von Pierre Sandrin.

Wir bedanken uns bei der Rheinpfalz und dem Autor Uwe Engel für die Genehmigung, diesen Artikel verwenden zu dürfen.

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